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Besorgniserregende Informationsveranstaltung zum Thema Atommüll

25.01.23 –

Fehlende Endlager wirken sich auch auf Grafenrheinfeld aus – das mussten wir vor Kurzem bei einem Vortrag auf Einladung des Grünen Landtagsabgeordneten Paul Knoblach und der Ortsverbände von Grafenrheinfeld und Bergrheinfeld erfahren.

Zu Gast war Dirk Wilhelm, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Atomfreies 3-Ländereck“aus Würgassen. Früher Mitarbeiter im dortigen AKW, arbeitet er heute in der Solarbranche und engagiert sich aktiv gegen die Pläne der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). In Würgassen ist nämlich die einzige „Atommüllldrehscheibe“ Deutschlands geplant. Statt des erwarteten Rückbauziels „grüne Wiese“ soll dort ab 2027 in einer 325 Meter langen und 125 Meter breiten Halle (das entspricht der Größe von drei Fußballstadien) Atomschrott aus ganz Deutschland, darunter auch aus Grafenrheinfeld, zwischengelagert, sortiert und dann irgendwann zum Endlager „Schacht Konrad“ bei Salzgitter weitertransportiert werden. Wie Wilhelm im Gadenbau ausführte, fürchtet die Bürgerinitiative eine Zwischenlagerung bis 2100. Davon ist auch Grafenrheinfeld betroffen, denn bis die Riesenhalle fertig ist, wird erstmal Atommüll aus Würgassen ins AKW nach Grafenrheinfeld transportiert.

Ein Irrsinn, der gestoppt werden muss – da sind sich in der Informationsveranstaltung Hauptredner Wilhelm und „Moderator“ Knoblach einig. Seit sechs Jahrzehnten wird Atomschrott auf Halde produziert, aber ein Konzept für die Endlagerung allen Atommülls gibt es bis heute nicht und so wird uns dieses hochgefährliche Problem auch in der Schweinfurter Region noch Jahrzehnte unmittelbar belasten, sagt Wilhelm, schon weil Schacht Konrad als bisher einziger Endlager-Standort nur rund 303.000 Kubikmeter Atommüll aufnehmen kann. Und so werden viele Tonnen Atommüll - Wilhelm spricht von rund 27.000 Kubikmetern hochradioaktivem Müll in ca. 1900 Castor-Behältern und weiteren 300.000 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktivem Mülls, die dort keinen Platz finden. „Das wird aber extrem selten gesagt“, stellt Wilhelm im Gadenbau fest und fragt sich weiter: wohin damit? Die für 2031 geplante Festlegung auf weitere Endlager-Standorte wird sich, soviel ist jetzt schon sicher, erheblich verzögern und das hat „unmittelbare Auswirkungen auf die Zwischenlagerung aller radioaktiver Abfälle in Deutschland und damit auch in Grafenrheinfeld“, erklärte der Vorsitzende der Bürgerinitiative. Es sei zu befürchten, dass die aktuellen Zwischenlager bis über das Jahr 2100 hinaus genutzt werden müssen, sprich der Atommüll müsse weiterhin in Gebäuden zwischengelagert werden, die für diese jahrzehntelange Lagerung nicht konzipiert sind.

Eine Entscheidung, ob das gigantische Lager im Dreiländereck gebaut wird, soll es noch in diesem Frühjahr geben. In Würgassen hofft man, den Bau doch noch verhindern zu können. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative Atomfreies 3-Ländereck weist nicht nur auf die Möglichkeit einer höheren Strahlenbelastung und erhöhter Unfallrisiken hin, sondern auch auf ein Gutachten, das die geplante Einrichtung als nicht notwendig erachtet, weil eine Belieferung für die spätere Endlagerung keinen signifikanten Zeitvorteil erbringt. Den Atommüll dafür weiter durchs Land zu karren, sagt Wilhelm, ist jedenfalls keine Lösung und dringend abzulehnen, zumal es sicherere, ökologisch verträgliche und kosteneffiziente Lösungen zur Lagerung und Entsorgung der atomaren Hinterlassenschaft geben würde.

Und in Schweinfurt? Geht der Protest gegen die Atommülltransporte weiter, erklärte Knoblach im Gadenbau. Der MdL und Wilhelm waren sich mit weiteren Diskussionsteilnehmern einig: Es fehlt ein Konzept zur Endlager-Lösung, dazu sind bei allen künftigen Entscheidungen Transparenz, Beteiligung der Bürger und lernende Verfahren dringend nötig.

Die ausführliche Pressemitteilung könnt ihr auf unserer Homepage www.gruene-grafenrheinfeld.de nachlesen.

Gez. OV Grafenrheinfeld

Das Foto von Hannes Helferich zeigt MdL Paul Knoblach (Garstadt) und Dirk Wilhelm von der Bürgerinitiative „Atomfreies 3-Ländereck“, außerdem von links: Daniel Schoppelrey, Sabine Braun, Manfred Fenn, Stefan Weidinger und Daniela Verne vom Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen Grafenrheinfeld).

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